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26.07.2021
König fordert Piazolo auf: Verheiratete Lehrer aus Oberfranken auch in Oberfranken einsetzen
Theoretischer Lehrerbedarf stimmt mit der Praxis in den Schulen vor Ort nicht überein
Mit einem Brandbrief hat sich der Hofer CSU-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Alexander König, an Kultusminister Michael Piazolo gewandt. Denn pünktlich zum Beginn der Sommerferien haben gleich mehrere Lehrer aus Oberfranken Alexander König um Unterstützung gebeten. „Alle Jahre wieder sind Junglehrer verzweifelt, weil sie nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung nicht in ihrer Heimat Oberfranken sondern in Oberbayern verbeamtet werden“, so Landtagsabgeordneter Alexander König. Neu ist jedoch, dass sogar Lehrer, die verheiratet und mit Kind sind, weite Fahrstrecken auf sich nehmen müssen. „Allein mir sind drei verheiratete Fachlehrer mit Kind bekannt, welchen Stellen in Mittelfranken angeboten wurden.“ Im ungünstigeren Fall kann das Pendelzeiten von bis zu zwei Stunden einfach zur Folge haben, weil die verkehrlich günstig gelegenen Schulen (z.B. in Schnaittach) mit Sicherheit nicht alle Betroffenen aufnehmen können.
König bezweifelt außerdem, dass der Lehrerbedarf in den einzelnen Regierungsbezirken und Schulämtern fair und gerecht berechnet wird. „Es mag sein, dass der errechnete Bedarf nach Lehrerstunden den vorhandenen Schülerzahlen entspricht. Nicht adäquat berücksichtigt wird in diesem Berechnungsmodell die völlig unterschiedliche Schulstruktur, wobei Regionen mit geringeren Schülerzahlen aber vielen kleinen Schulen mit kleinen Klassen gegenüber Regionen mit vielen Schülern, entsprechend großen Schulen und damit auch größeren Regelklassen benachteiligt werden.“ König fordert den Staatsminister auf, das Berechnungsmodell an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. „Der Mindestbedarf muss sich an der Anzahl der tatsächlich vorhandenen Klassen orientieren. Es reicht nicht aus, den Bestand der Grundschulen zu garantieren, sondern es muss auch die entsprechende Zahl von Lehrern bereitgestellt werden.“

König belegt das angewandte Versetzungsverfahren mit Zahlen aus dem Kultusministerium. Demnach können aus Oberfranken zum nächsten Schuljahr insgesamt 181 Lehrer für die Grund- und Mittelschulen und 22 Fachlehrer eingestellt werden. Von diesen 181 Lehrern werden den fünf Notenbesten und 37 weiteren verheirateten Lehrern mit Kindern Stellen in Oberfranken angeboten. Den anderen 139 Lehrerinnen und Lehrer werden Stellen in Oberbayern und in einem Fall eine Stelle in Unterfranken angeboten. Von den 22 Fachlehrern aus Oberfranken können zwei in Oberfranken bleiben, 11 erhalten Stellenangebote in Oberbayern und neun in Mittelfranken.

König räumt ein, dass der Bedarf an Grundschul-, Mittelschul- und Fachlehrern in Oberfranken seit vielen Jahren deutlich geringer ist als die tatsächliche Zahl der oberfränkischen Lehrerinnen und Lehrer. „Schon zu Beginn des Studiums ist klar, dass die meisten Lehrer nach ihrer Ausbildung erst einmal in anderen Regierungsbezirken zum Einsatz kommen.“ Diese Vorgehensweise sei zunächst nachvollziehbar, denn so König: „Der Staat kann von seinen Beamten auch grundsätzlich erwarten, dass sie bereit sind dorthin zu gehen, wo sie gebraucht werden.“ Die meisten oberfränkischen Lehrerinnen und Lehrer, so schreibt der Landtagsabgeordnete an Piazolo, ziehen zunächst ohne großes Murren nach Oberbayern und beginnen eher früher als später Versetzungsanträge nach Oberfranken zu stellen. „Wohl wissend, dass das im Familienstand der Ledigen ohne Kinder ein langjähriges Unterfangen ist.“ Andererseits konnten die verheirateten Lehrer mit Kindern aufgrund der bisherigen Übung davon ausgehen, dass sie eine Stelle in Oberfranken antreten dürfen. Darüber hinaus werden einer Mehrzahl von Lehrern, die aus welchen Gründen auch immer nicht bereit sind in Südbayern eine Stelle anzutreten, seit Jahren nach dem Windhund-Prinzip Angestellten-Stellen mit unterschiedlichen Stundenkontingenten angeboten.

„Es ist nicht akzeptabel, dass das Kultusministerium im neuen Schuljahr offenbar nicht bereit ist, den betroffenen Lehrkräften Angestelltenverträge mit Stundenkontingenten in Aussicht zu stellen, um sie so dazu zu bewegen, Stellen in anderen Regierungsbezirken anzutreten“, stellt Alexander König fest. Das Kultusministerium verschärft mit seiner Vorgehensweise nach Meinung Königs die ohnehin schwierige personelle Situation an den Schulen. „Sie wollen verheiratete Lehrer mit Kindern aus Oberfranken zwingen Anstellungen in anderen Regierungsbezirken zu akzeptieren, indem sie ihnen die später dann doch wieder angebotenen Angestelltenverträge verweigern. Damit erreichen Sie genau das Gegenteil, Herr Piazolo!“ wirft Landtagsabgeordneter Alexander König dem Staatsminister vor. König befürchtet, dass weitere in Bayern ausgebildete und dringend benötigte Lehrer nach Sachsen und Thüringen abwandern werden. „Hier werden unsere Lehrer aktiv umworben.“ Nach Auffassung Königs entspricht es nicht dem Wettbewerbsgrundsatz, Lehrer streng nach Familienstand und Noten zu verbeamten und anschließend Angestelltenverträge ohne Berücksichtigung des Familienstandes und der Noten nach dem Windhund-Prinzip zu vergeben. „Das erfolgt von den Schulämtern nach dem Zufallsprinzip, zu unterschiedlichen Zeitpunkten und ohne Ausschreibung. Sie werden damit Ihrer großen sozialen Verantwortung gegenüber den fertig ausgebildeten Lehrern nicht gerecht!“ heißt es in dem Schreiben an Piazolo weiter.

Alexander König bittet den Staatsminister, „alles daran zu setzen, dass zumindest die aus Oberfranken stammenden verheirateten Lehrer mit Kindern wie bisher auch in Oberfranken verbeamtet werden.“ Weiter fordert der Landtagsabgeordnete, diesen sozial besonders betroffenen Lehrern jetzt sofort einen Angestelltenvertrag anzubieten, damit sie für sich und ihre Familien sicher planen können und sich nicht gezwungen sehen nach Thüringen oder Sachsen abzuwandern.